Brahms und Mahler

Bericht Rems Zeitung vom 27.09.2016


Wie vielseitig Romantik sein kann

Der Philharmonische Chor sang Lieder aus seiner Ungarn-Tournee


Konzert (-ry).

Die meisten Konzertbesucher des Philharmonischen Chores sind oratorische Aufführungen aus der großen Chorsinfonik gewöhnt. Nach einer Ungarn-Tournee im November 2015 gab es im Saal des „Prediger“ dasselbe Programm für das hiesige Publikum.

Das Haus war voll, man durfte sich auf Werke von Brahms und Mahler freuen. Trotz Klavierbegleitung durch den versierten Kollegen von Chorleiter Stephan Beck, Johannes Wittmann, ist solches Musizieren für den etablierten Chor eine Herausforderung eigener Art. Wie beim A-cappella-Singen ist man eher auf sich allein gestellt.

Doch die Beispiele aus der ersten Reihe der „Liebeslieder-Walzer“ und der „Sieben deutsche(n) Volkslieder“ sowie des kompletten Zyklus‘ der „Zigeunerlieder“ op. 103 sind sagenhafte Ohrwürmer, denen man sich aktiv und beim Zuhören nicht entziehen kann. Die Gediegenheit eines schlanken Klangs, das homogene Durchtragen und die gezielte Entwicklung der Höhepunkte bescherten genau jene Qualität, deren es bei solch volksliedhaftem Duktus bedarf. Stephan Beck ist ein Klangmagier, der sich nicht zu exaltierter Interpretation hinreißen lässt. Und wie fein der PhilChor darauf reagierte. Man spürte allenthalben die Freude an dieser Musik, die man vielleicht hinter dem etwas eigenen Junggesellen Brahms gar nicht vermutet.

Johannes Wittmann hatte bei den drei Liebesliedern (Am Donaustrande, O wie sanft die Quelle sich durch die Wiese windet, Nein es ist nicht auszukommen mit den Leuten) eine Herkulesaufgabe zu bewältigen, ist doch der Klavierpart für vierhändiges Spiel komponiert und – typisch Brahms – keineswegs einfach. Wittmann musste also beide Partes in eins fügen und tat dies mit Bravour. Überhaupt erwies er sich als souveräner Begleiter. Leider hatte er keinen Umblätterer, und der klangschöne Bösendorfer-Flügel hätte zuweilen wenigstens die kleine Flügeldeckel-Öffnung vertragen.

Anna Escala, die charmante Stimmbildnerin des Chores, deren Arbeit hörbar kantilene Früchte trägt, glänzte zum wiederholten Male als Solistin. Als lyrische Koloratursoubrette führt sie ihren Sopran mustergültig in allen Belangen, und das mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Wünsche offenlässt. Bei den vorgetragenen zwei der „Sieben deutsche(n) Volkslieder“ (Dem Himmel will ich klagen, Verstohlen geht der Mond auf) gab es ein wunderbares Miteinander von Solo, Chor und Klavier.

Angelika Wolf nützte nach der auf Ungarisch erfolgten Begrüßung durch ein Chormitglied (zugleich Initiatorin der Tournee und unersetzliche Dolmetscherin) als ausgezeichnete Moderatorin alle „Register“ von charmanten Impulsen und notwendiger Information zu den Komponisten und ihren Werken, sodass die Hörergemeinde manches Detail erfuhr, das sie eher nicht kannte.

Ob nun „Des Knaben Wunderhorn“ das Ergebnis echter Forscherarbeit durch Achim von Arnim und Clemens Brentano war oder im Geiste des Volkstümlichen eigene dichterische Poesie-Kreation darstellt, ist im Ergebnis eher akademisch; denn der Volkston wurde getroffen. Und so brillierten Anna Escala und Johannes Wittmann mit drei Beispielen in der gelungenen Vertonung durch Gustav Mahler (Wer hat dies Liedlein erdacht? Um schlimme Kinder artig zu machen, Scheiden und Meiden). Wie vielseitig doch Romantik sein kann!

Schließlich die „Zigeunerlieder“ (mit Klavier zu zwei Händen). Auch hier ist es unerheblich, ob es sich bei diesen Brahms-kleinodien um Zigeuner- oder Volkslieder handelt. Die unterschiedlichen Charaktere bieten jedenfalls einen geradezu romantischen Kosmos, den Chor und Pianist ausloteten.

Man kann nur wünschen, dass der Philharmonische Chor zwischen seinen „großen“ Konzerten immer wieder einen Ausflug in solche Chorliteratur unternimmt. Das macht nicht nur den Aktiven Spaß, sondern erfreut die Gäste gleichermaßen.

Der herzliche Applaus galt entsprechend dem feinsinnig dirigierenden Stephan Beck, dem sensiblen Begleiter Johannes Wittmann, der glänzenden Anna Escala und dem wunderbar flexiblen Philharmonischen Chor.

Einer knappen Stunde herrlichen Musizierens folgten noch zwei Zugaben: „Erlaube mir feins Mädchen, in den Garten zu gehen“ Die Nr. 17 aus den „26 Deutschen Volksliedern“ von Johannes Brahms und ein – erwartungsgemäß – schmissiges Lied aus der spanischen Heimat Anna Escalas, den Klavierpart mit von ihr selbst gespielten Kastagnetten kongenial ergänzt – einfach zauberhaft!

Der Saal bebte zurecht.




Bericht Gmünder Tagespost vom 29.09.2016

Kammermusikalische Qualitäten eines großen Chors


Der Philharmonische Chor Schwäbisch Gmünd präsentierte im gut besuchten Prediger Festsaal Schwäbisch Gmünd vor heimischem Publikum unter der Leitung von Stephan Beck das Programm seiner Ungarn Tournee. Der sonst auf die großen Formen abonnierte Chor zeigte hier mit den "Liebeslieder-Walzern" und der "Zigeunerliebe" von Johannes Brahms bei dem Konzert seine kammermusikalischen Qualitäten: Mit großer Präzision, geschmeidiger Agogik und flexibler Dynamik folgten die Sängerinnen und Sänger den Intentionen des Dirigenten Stephan Beck. Die Sopranistin Anna Escala, Stimmbildnerin des Ensembles, überzeugte mit den Liedern von Brahms und Mahler. Mit ihrer Zugabe, einer "Sevillana" aus ihrer spanischen Heimat begeisterte sie die Zuhörer, zumal sie mit professionell gespielten Kastagnetten überraschte. Am Flügel war Johannes Wittmann dem Chor und der Solistin ein souveräner Begleiter. Angelika Wolf führte sachkundig und charmant durch das Programm.